Nachts auf Ameland

Wenn die Sonne im schönsten Abendrot des Meeres versunken ist, die Teilnehmer längst in ihren Betten liegen und auch die Leiterrunde vorbei ist, dann wird so mancher Leiter nochmal munter. Ein letztes “aufbäumen” bevor er müde und ausgepowert ins Bett fällt.

Aber zur Sache: Heute Nacht bzw. Morgen, es muss gegen 1:30 gewesen sein beschlossen einige Leiter, dass die Musik im Nachbarlager lange genug und viel zu laut gespielt hatte. Schließlich galt es, die Schlafphase der Teilnehmer zu schützen. So bewaffneten sich Bastian und Marie mit Wasserpistolen und schlichen hinter die Mauer des Nachbarlagers. Dann ein zischen von Wasser, welches durch Luftdruck durch die selbige geschleudert wurde. Direkt danach ein spitzer Schrei. Treffer! Irgendjemand im Nachbarlager wurde also getroffen. Die Antwort lies nicht lange auf sich warten. Unsere Nachbarn mussten vorbereitet gewesen sein, denn keine 30 Sekunden später flogen die ersten Wasserbomben in unsere Richtung. Es muss an der Uhrzeit oder an der Dunkelheit gelegen haben, denn getroffen wurde nur unsere Hauswand und das “Kühlzelt”. Birgit schrie auf: “Meine Lebensmittel!” Draußen hörte man weiter das  leise zischen der Wasserpistolen von Bastian und Marie. Doch die restlichen Leiter saßen im Haus, vollkommen desinteressiert an dem treiben draußen. Bis Birgit noch einmal rief: “Jungs! Da stehen auch eure Kaltgetränke drin!” Kaltgetränke! Das zeigte Wirkung, die Leiter sprangen auf und wurden aktiv. Olaf so schnell, dass sein Stuhl krachend zu Boden fiel. Ungeahnte Kräfte wurden ob der späten Uhrzeit freigesetzt. Es wurde sich gerüstet für die bevorstehende Wasserschlacht.

Jan ging hinten aus dem Haus zum Materiallager, in der Gewissheit, dass die “Kampfhandlungen” vorne auf der Straße stattfinden. Trotzdem wurde er direkt in die Wasserschlacht verstrickt. Zumindest waren wohl die Wasserbomben, die geflogen kamen, für ihn gedacht. Sie reinigten aber eher Hausdach und Wand in einigen Metern Entfernung. Mit den Wasserbomben aus dem Lager konnten die Leiter sich jetzt rüsten und ihre gesamte Kampfkraft entfalten. Die Wasserbomben wurden in der Küche an zwei Händen und in den Badezimmern an jeweils 5 Hähnen befüllt. 10 Wasserhähne für Wasserbomben, der Kampf konnte also jetzt richtig beginnen.

In der Zwischenzeit waren wir jedoch umzingelt worden. Das merkten wir, als wir die Haupttür öffneten. Augenblicklich kamen von drei Seiten Wasserbomben geflogen. Es bot sich keine Möglichkeit auch nur einen Meter weiter zu kommen. Ein Ausbruch auf die andere Straßenseite war Aussichtslos. Wir zogen uns schnell wieder in die Unterkunft zurück. Die Wasserbomben flogen hinter uns her und die Glasscheiben der Hausfront erbebten. Das war ein Lärm!

Durch den Nebeneingang zum Materiallager hin versuchten wir uns hinauszuschleichen. Dieser Vorgang wurde leider bemerkt. Verdammte Späher in den Teilnehmerzimmern des Nachbarlagers! So liefen wir in die Falle. Die Nachbarn hatten nur darauf gewartet, dass die Tür sich öffnet und warfen das Wasser Eimerweise über die Mauer. Mit einer Flutwelle wurden wir ins Haus zurückgespült. An dieser Stelle kamen wir also auch nicht weiter.

Es war an der Zeit, dass wir uns eine Taktik zurecht legten. Zumindest eine Grobe. Ein Zimmer mit Teilnehmern, aus unerfindlichen Gründen noch wach, wurde in ihrem Fenster postiert und mit Späherfunktionen beauftragt. Der Nachschub an Wasserbomben wurde Eimerweise bereitgestellt und die Wasserpistolen wieder geladen. Wir suchten nach einer Möglichkeit zurückzuschlagen, doch dafür mussten wir erstmal aus dem Haus herauskommen. Der Rote hatte bereits einen Akkuschrauber in der Hand und wollte ein Fenster ausbauen um einen neuen Ausgang zu schaffen. Doch das war gar nicht nötig. Eine kleine Unachtsamkeit der Nachbarn nutzten wir zum Ausbruch durch unsere linke Nebentür. Der Gegner wurde von unserer Unterkunft weggetrieben. Es entwickelte sich eine Wasserbombenschlacht auf der gesamten Länge der Straße zwischen unseren beiden Unterkünften. Das Wasser lief in Bächen.

Spontan ergab sich eine neue Taktik: 4 Mann – 4 Ecken bzw. 2 Mann einer Arme, einer Beine. Wir stürmten auf den Gegner zu, ließen einen wahren Hagel aus Wasserbomben auf sie hernieder regnen. Das dadurch entstandene Chaos nutzten wir und schnappten uns eine Leiterin der Nachbarn und trugen sie zu unserem Fahrradparkplatz. Sie wusste nicht, was dort auf sie zukam. Desto größer war ihr Schrei, als sie auf einmal in einem Gartenpool voller kaltem Wasser saß. Diese Taktik der Entführung war unser Erfolgsrezept. Nach und nach wurde jeder Leiter der Nachbarn entführt und in unserem Lagerpool eingetaucht. Das Blatt hatte sich zu unseren Gunsten gewendet. Plötzlich tauchten neue, frische und vor allem trockene Spieler auf dem Spielfeld auf. Der Gegner führte vor Verzweiflung jetzt auch seine Kochfrauen in die Schlacht. Bei uns undenkbar! Die sind heilig! So kam es wie es kommen musste, auch sie bekamen freien Eintritt in unseren Pool.

Nach einer langen und ereignisreichen Schlacht führten die Lagerleitungen die Friedensverhandlung. Es wurde sich zu einem Gruppenfoto aufgestellt und sich gegenseitig auf die Schulter geklopft. Ereignisse der Wasserbombenschlacht aus den verschiedenen Blickwinkeln erzählt und diskutiert. Mitten im Geschehen war zu jederzeit unser Vikar Pater John. Immer an vorderster Stelle und mit einem breiten Lachen im Gesicht. Er füllte sich einen Eimer mit Wasserbomben und zog fröhlich grinsend ins Duell.

Mit einer Apfelschorle in der Hand und einem breitem grinsen im Gesicht wurde das Lager und auch die Leiter selber wieder trocken gelegt. Vollkommen k.o. und müder als sie vorher schon waren legten wir uns ins Bett.